
Zwangsarbeiterlager
Preuẞisch Oldendorf
Zwangsarbeiterlager
Inhaltsverzeichnis

Preußisch Oldendorf erinnert:
Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft während des Zweiten Weltkriegs
Am 1. September 1939 begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Er sollte sechs Jahre dauern. Im Verlauf des Krieges wurden zahlreiche Menschen aus der damaligen Sowjetunion und anderen osteuropäischen Staaten, aber auch aus Westeuropa nach Deutschland verschleppt. Dort mussten sie ebenso wie Kriegsgefangene in vielen Bereichen der Industrie, dem Handwerk und der Landwirtschaft Zwangsarbeit verrichten.
Das Lufttanklager in Preußisch Oldendorf
Auch in der Stadt Preußisch Oldendorf wurden Vorkehrungen zur Kriegswirtschaft getroffen. So begann man 1939 mit den Planungen zur Errichtung eines Lufttanklagers zur Lagerung von Dieselöl, normalem Benzin, Treibstoffen für den Flugbetrieb und Nebelsäure (ein Kampfstoff mit Nebelwirkung). Neben dem Tanklager wurden Bahntrassen zum Transport der Kraftstoffe angelegt. Außerdem baute man ein neues Hafenbecken in Getmold mit einer Abfüllanlage für Treibstoffe. Vom Hafen aus führte eine unterirdische Leitung zum Lufttanklager. Soldaten der Wehrmacht organisierten den Betrieb des Tanklagers.
Katastrophale Zustände in den Kriegsgefangenenlagern
Beim Bau des Lufttanklagers waren vor allem russische Kriegsgefangene und polnische Zwangsarbeiter tätig. Insgesamt sollen es bis zu 750 Personen gewesen sein. Untergebracht waren sie in Baracken an der heutigen Straße Langenhegge. Dort herrschten katastrophale und miserable hygienische Zustände. Allein im Dezember 1941 starben neun russische Kriegsgefangene an Unterernährung und mangelhafter medizinischer Versorgung. Ihre Leichname wurden auf dem jüdischen Friedhof bestattet, wo sich insgesamt 13 Gräber russischer Kriegsgefangener befanden. Später wurden die Toten nach Stukenbrock umgebettet, wo nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Gedenkstätte für russische Kriegsgefangene entstand.
Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter
Kriegsgefangenenlager und Lager für Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter existierten nicht nur in der Nähe des Lufttanklagers, sondern auch andernorts im Stadtgebiet. Alles in allem gab es in ganz Preußisch Oldendorf fünf solcher Einrichtungen. Betroffen waren nicht ausschließlich russische oder polnische Personen. Die Nationalsozialisten verschleppten auch Menschen aus Westeuropa ins Deutsche Reich. Die Zahl der sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die das Lufttanklager nicht überlebten, ist unklar.

